Paragraph 175 - 123 Jahre Unrecht

31.
Aug
2014

Wenn ihr heute mit „Älteren“ spricht, taucht immer mal der Begriff „175er“ auf. Was dieser Begriff heißt – besser gesagt für uns bedeutet – lest ihr hier:

Vor fast 21 Jahren wurde der §175 aus dem deutschen Strafgesetzbuch gestrichen. Über 123 Jahre lang machte der Paragraf 175 Homosexuellen das Leben schwer. Er brachte sie ins Gefängnis und an den Rand der Gesellschaft.

Im neu gegründeten Kaiserreich am 15. Mai 1871 wurde der §175 ins Gesetzbuch geschrieben. „Die widernatürliche Unzucht, welche zwischen Personen männlichen Geschlechts oder von Menschen mit Thieren begangen wird, ist mit Gefängniß zu bestrafen; auch kann auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte erkannt werden.“ So begann der lange Leidensweg der Homosexuellen.

1935 wurde er von den Nationalsozialisten noch einmal verschärft: Die Gefängniszeit wurde bis auf 5 Jahre heraufgesetzt und jegliche Form der Intimität zwischen Männern wurde geahndet. Zu dieser Zeit wurden sehr viele Menschen, allein des Verdachts wegen, in KZs gesteckt und kamen elendig um.

In West-Deutschland „überlebte“ der §175 sogar die Nazis. Ende der fünfziger Jahre wurde dann auf die Verfolgung homosexueller Paare verzichtet, doch die begangene Unzucht wurde weiterhin bestraft. Erst 1969 gelang der ersten Großen Koalition eine Reform des § 175. 1973 wurden die Strafen für Sex zwischen homosexuellen abgeschafft. Doch wurde der Paragraph immer noch nicht gestrichen. Wer Sex mit einem jungen Mann unter 18 hatte, wurde noch bestraft, der mit einem Mädchen, das mindestens 14 Jahre alt war, nicht.

Am 10. März 1994 wurde der § 175 endlich aus dem Strafgesetzbuch gestrichen. Nun war es möglich, dass Mann und Mann, Frau und Frau zusammen leben konnten, ohne strafrechtlich verfolgt zu werden. Die Grundlage der Lebenspartnerschaft war geschaffen. Durch diese wurden die homosexuellen zum ersten Mal richtig sichtbar in der Gesellschaft. Natürlich gab es immer noch Hürden und auch weiterhin mussten Homosexuelle für ihr Recht auf Akzeptanz und Gleichstellung kämpfen. Doch der erste Schritt war getan. Alle Menschen, die für das Recht, die Akzeptanz und die Gleichstellung gekämpft haben und auch weiterhin kämpfen gebührt Anerkennung und Lob, in der heutigen Zeit gibt es nicht viele die so ihre Ziele noch verfolgen.

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