BiNe: Der heißeste CSD des Jahres 2016

27.
Aug
2016

Bei 36°C im Schatten zogen wir anderthalb Stunden lang quer durch Wetzlar - zum ersten Mal in der Geschichte dieses beschaulichen Städtchens. Hier wurde Goethe seinerzeit durch seine Liebe zu Charlotte Buff zum Werther inspiriert – und hier wird demnächst auch IKEA residieren, weshalb die Stadt von einer Reihe von Baustellen geziert wird. Doch zurück zum Tourismotor: Ein ganzes Jahr lang schob Goethe die Akten im Gericht auf die lange Bank, weshalb die Stadt bis heute als „Goethe-Stadt“ firmiert und Goethe sei Dank mehr Eiskugeln verkauft werden, als ohne ihn in die Tüte kämen.

BiNe auf dem CSD in Wetzlar 2016

Gegen solche Zeitspannen mutet die halbe Stunde Wartezeit, bis der CSD-Zug losging, recht erträglich an - zumal wir BiNen sie dringend benötigten. Bis zur letzten Sekunde waren wir fleißig, zumal wir ob der Hitze zwei gesundheitsbedingte Ausfälle zu verkraften hatten. So suchten und fanden wir eine uns bis dahin unbekannte Helferin aus Gießen, die das Transparent mittrug und einen weitere Transparentträger aus Gießen, Rainer, der schon am CSD in Köln bei uns mitgelaufen war. (Als Neuer hatte er sogar bereits einen der raren Plätze für das Herbsttreffen ergattert.)

Nur für das Auftragen der mitgebrachten Sonnencreme reichte die Zeit nicht mehr - die Vitamin D - Depots unserer Körper werden uns unseren Mut, ungeschützt loszugehen, danken.

Und auch die Wetzlarer Liedermacherin NETTE, die uns in der Vorbereitung z.B. beim T-Shirt - Druck unterstützt hatte, brauchte unseren Material- und Wasserwagen nicht alleine zu ziehen, weil Chrissy, ebenfalls aus Wetzlar, tatkräftig mit zulangte.

Der Umzug selbst war ein fröhlich-buntes Unterfangen. Wer's nicht glaubt, guckt hier: youtube.com/watch?v=V3HwEeNnQIg

Wer sich im Angesichte dieser Bilder (es war halt der heißeste aller CSDs dieses Jahr, gell) Sorgen macht, der politische Aspekt des CSD sei zu kurz gekommen, guckt hier: youtube.com/watch?v=cpxrbnuOVes

Die Menschen am Straßenrand reagierten in unserer Erfahrung durchweg freundlich (auch wenn keine/r von ihnen wegen des CSD einkaufen gegangen war).

Der Bürgermeister Manfred Wagner (FDP) unterbrach seine Geburtstagsfeier, um den CSD zu eröffnen. In seiner Rede begrüßte er ausdrücklich den ersten CSD in Wetzlar, dessen Schirmherrschaft er ausgesprochen gerne übernommen habe. Dafür gab es zur Belohnung ein Geburtstagsständchen. Später wurde von der Bühne aus abgefragt und mit Jubel geantwortet, woher aus Mittelhessen die Teilnehmer/innen der Parade nach Wetzlar gekommen waren. Dabei outete sich Köln vertreten durch Gisela als lautstärkster Teil Mittelhessens.

Es fand sich außer Beate sogar noch eine weitere Teilnehmerin aus Weilburg. Ein Sprint in die erste Reihe, denn von dort aus hatte sich Carina beim Conféroncier bemerkbar gemacht, wurde mit einem supernetten Kontakt belohnt: Wer hätte gedacht, dass die Leiterin einer transsexuellen Selbsthilfegruppe von Trans-Ident e. V. Frankfurt Carina Kreiling in Kubach wohnt? Carina hat uns gebeten, an dieser Stelle auch die Addy ihres Vereins zu verraten, und das tun wir gern: carina@trans-ident.de (www.trans-ident.de)

Dank der Connections von NETTE zu einem YouTube - Kanal hätte Beate im Anschluss an die Parade sogar ein sehenswertes Interview geben können. Leider ist das am Wetter gescheitert. Sie konnte an kaum was Anderes denken als: „Jetzt glänzt mein Gesicht vor der Kamera, weil ich so schwitze und kein Puder da ist.“ Und genau so ist das Interview dann auch geworden. Bloß gut, dass es niemand online gestellt hat. Falls es doch noch jemand entdecken sollte, schickt uns bitte den Link! Hach, da ist er ja: youtube.com/watch?v=urr3tSV9U0A Ui, und Nette führt sogar die T-Shirts vor, die wir dafür hatten machen lassen. Auf dass sie auf weiteren Paraden getragen werden mögen!

Nachdem wir unser Infomaterial taktisch klug am allgemeinen Infostand platziert hatten, stärkten wir uns am veganen Food-Truck. Für Leckereien dieser Art muss man sonst nach Gießen fahren!

Später motivierte uns die Hitze zu einer Siesta in Weilburg. Daher genoss Gisela als Hüterin des Demo-Wägelchens den Baumschatten auf dem Parkplatz neben der Colchester-Anlage in Wetzlar, während Beate geduldig (das gibt's!) als „Ortskundige“ ihr Auto suchte. Gisela genoss den Baumschatten noch ein wenig länger, während Beate geduldig ein weiteres Mal um denselben Häuserblock lief, zuversichtlich darauf hoffend, ihr Auto diesmal in der Nähe des Toilettenhäuschens zu finden, an das sie sich gerade noch so eben erinnern konnte. Später stellte sich heraus, dass es zwei exakt gleiche öffentliche Toilettenanlagen in Wetzlar gibt. Bei dem etwas weiter entfernten wurde sie im dritten Anlauf fündig. Ein nächstes Mal passiert ihr so was in Wetzlar nicht mehr. Das nächste Mal wird nämlich voraussichtlich in Herborn sein, wobei es ja unserer Meinung nach das katholisch-„liberale“ Limburg am nötigsten hätte.

Fazit
Es war ein CSD der Superlative: Das erste Mal in Wetzlar, der heißeste CSD 2016 und jajaja, wir waren auch in Köln, wir haben den Vergleich!

Text: Gisela und Beate, von BiNe

BiNe auf dem CSD in Wetzlar 2016

Manöverkritik
* Besser ging's nicht: Unmögliches wurde sofort erledigt, Wunder dauerten nur unwesentlich länger. Ein praktisches Problem? Gelöst. Selbst personelle Engpässe entstanden nicht, weil helfende Hände sofort gefunden wurden – und sich finden ließen. Damit alles so laufen konnte, wie es das tat, waren unglaublich viele Menschen im Einsatz. Unser regenbogenbunter Dank geht deshalb an Rainer und M. aus Gießen, NETTE, Heike und Chrissy aus Wetzlar, Carina, Guido und Beate aus Weilburg, Gisela, Biggi und Uferlos aus Köln, Rainer und Jasmin aus Nürnberg und all die vielen lieben Menschen, die uns beim T-Shirt-Druck Hilfe angeboten haben. Ihr wart so viele, es war toll! Wir danken euch allen von ganzem Herzen - ihr habt uns einen unvergesslichen CSD beschert.

Unbedankt geblieben ist jetzt nur noch jene eine Frau, ohne die dieser Stein niemals ins Rollen gekommen wäre. Ohne sie hätten wir - wenn überhaupt! - von diesem CSD womöglich erst anschließend erfahren. Diese Trägodie verhinderte mit einem beherzten Link unsere Schwester Yve aus Castrop-Rauxel. Yve, wir wissen, wie gerne auch Du mit dabei gewesen wärst und wie sehr Du mit uns mitgefiebert hast. Zum Glück ist nach dem CSD vor dem CSD, auch wenn es das nächste Mal wohl leider nicht mehr Wetzlar werden wird - und wir wünschen uns alle sehr, dass wir dann gemeinsam durch die Straßen tanzen können. Lass es Dir gut gehen bis dahin. Wir lieben Dich, Lieblingslesbe!