ICD und die Homoheiler

15.
Feb
2015
ICD und die Homoheiler

Vor über 20 Jahren wurde in der Medizin definiert: Homosexualität ist keine Krankheit.

Doch immer wieder hört man von Homoheilern oder Homoheilverfahren. Warum wird die Homosexualität noch immer in die Nähe von Krankheiten gerückt?

Im weltweit anerkannten Diagnoseklassifikationssystem – ICD – der Mediziner genauer im Kapitel F66 sind Krankheitsbilder aufgeführt, die eine Pathologisierung der sexuellen Orientierung ermöglichen. Auf dieses Kapitel berufen sich die meisten Homoheiler.

Im Jahr 1957 befasste sich die Psychologin Dr. Hooker ausführlich und wissenschaftlich mit dem Thema der psychischen Gesundheit von Homo- und Heterosexuellen. Ihre Studien belegten, dass es keinen Unterschied in der Psychologie der beiden sexuellen Orientierungen gibt. Nach weiteren Studien zu diesem Thema wurde 1973 die Homosexualität aus dem offiziellen US-Katalog der Geisteskrankheiten gestrichen. Zwanzig Jahre später wollte die WHO es ebenso halten, doch die Experten waren nicht konsequent genug: Sie ließen einen noch bis heute vorhandenen Spielraum.

Dieser wird leider bis heute für die Rechtfertigung von „Konversions-„ oder „Reorientierungtherapien“ der „Homoheiler“ genutzt. Die Erkrankung „Ichdystone Sexualorientierung“ wird häufig als „Erkrankung homosexueller“ als Vorwand genannt. Dieses psychische Leiden beschreibt den Drang sich aufgrund von Reaktionen im Umfeld sexuell umzuorientieren bzw. den Wunsch, sich sexuell zu ändern. Genau dieses Krankheitsbild rufen Homoheiler erst in ihrer Therapie hervor. Sie machen Menschen krank, weil sie nicht so sein können wie sie eigentlich sind.

Vermeintliche „Homoheiler“ versuchen aus homosexuellen Menschen hetero- oder asexuell orientierte Menschen zu formen. So therapierte Menschen neigen zu Depressionen und sind sehr stark Suizid gefährdet. Einige Menschen mögen unter ihrer sexuellen Orientierung leiden, doch der größte Teil leidet unter der Angst und unter der Diskriminierung der anderen Menschen. Dies sind Auslöser für psychische Erkrankungen.

Es braucht Verständnis und Akzeptanz, Menschen die nicht in das typische Rollenbild passen in die Gesellschaft zu integrieren und ihnen ihren zustehenden Platz einzuräumen. Heterosexualität ist keine Norm, sondern eine Form von Sexualität. Genau wie die andere Sexualitäten. „Homosexualität ist eine gesunde sexuelle Orientierung und bedarf keiner Therapie“ sagt Prof. Götz Mundle des Referates für sexuelle Orientierungen der Fachgesellschaft DGPPN.

Aus der von der Weltgesundheitsorganisation herausgegebenen International Classification of Diseases (ICD) wurde die Homosexualität erst 1992 im „ICD-10“ aus dem Katalog der Krankheiten gestrichen.

Schon in der Antike machten die Menschen keinen Hehl daraus, mit gleichgeschlechtlichen Partnern Verkehr zu haben. Erst im Mittelalter begannen die Hetze und die Jagd nach Homosexuellen. Wir leben im 21. Jahrhundert, leider sind noch nicht alle Menschen angekommen.

Quelle: Apotheken Umschau, Wort und Bild Verlag Konradshöhe GmbH und Co. KG, Ausgabe 15. November 2014, Seite 64 ff