Strukturarbeit im LGBT*IQA-Bereich – Zwischen Engagement und Frustration

08.
Nov
2018

Die Community nutzt gerne die Angebote von Akteurinnen und Akteuren und viele freuen sich über Angebote, neue Ideen und Veranstaltungen. Die Planungen hierzu sind immer ein reiner Drahtseilakt.

Am Anfang steht eine Idee oder Inspiration. Der Grundgedanke zu etwas, zum Beispiel eine Ressource die fehlt, ein Wunsch, etwas wieder zu beleben oder einfach nur etwas Neues zu schaffen. Dies ist löblich und fördernswert. Doch bevor versucht wird, eine Idee umzusetzen, sei ihm oder ihr angeraten, sich mit der Idee zu beschäftigen: Gab es so etwas schon einmal?

Hier entsteht die erste Arbeit: Vernetzung. Fragen, ob es Erfahrungen mit der Idee, Inspiration oder dem Angebot gibt. Aber Antworten auf die brennenden Fragen werden in den Communities eher langsam gegeben. Nicht selten bekomme ich auf Fragen gar keine Antwort oder es kann Wochen, Monate, sogar Jahre später doch noch eine kommen. Alles wurde meinerseits schon erlebt.

Wenn die Antwort endlich da ist, können Kontakte geknüpft werden. Die Idee wird weitergetragen, möglicherweise an einen Ort, eine Veranstaltung, wo viele Menschen sich treffen, um über die Idee sprechen zu können. Das ist Segen und Fluch zugleich, denn oft wird die Idee zerpflückt, schlechtgemacht, sogar von der versammelten Gruppe verworfen. Es ist entmutigend, wenn eine Person oder Gruppe stundenlang bei einem Treffen, beispielsweise einem Runden Tisch, sitzt, endlich zu Wort kommt und nur Verärgerung und Resignation erntet.

Die Energie für die Idee wird förmlich aufgelöst in endlosen Diskussionen, die – gelinde gesagt – schwachsinnig sind. Es werden geklärte Fragen regelmäßig wieder durchgekaut, bei Folgetreffen sind immer andere Gesichter dabei und die angeblich engagierten unter den Teilnehmenden stellen sich als Luftikusse heraus. Mann oder Frau ist genervt, gereizt und verletzt.

Es werden Vermutungen des Missverstehens laut. Vielleicht will die Person oder Gruppe mit dem neuen Angebot andere Angebote kaputt machen? Vielleicht will die Person oder die Gruppe auch einfach nur die Weltherrschaft an sich reißen und übt schon einmal. Klingt schon sehr nachvollziehbar und ist sicherlich der Hauptantrieb, dass alles sich anzutun.

Die Frustration des nicht Vorwärtskommens, des Stillstandes, zerreißt einen Menschen förmlich. Ich erlebe immer wieder Streitigkeiten, die auf dem Rücken solcher Treffen ausgetragen werden. Sie fressen unser Aller wichtigste Ressource: Zeit.

Wir als Communities wollen etwas verändern, etwas erreichen und stehen uns doch selbst immer wieder im Weg. Reputationen und Erreichtes werden wegen kleingeistiger Diskussionen und Streitigkeiten ignoriert. Fehler werden wiederholt, Vereine lösen sich auf, Menschen, die für ihre Sache brannten, werden in schier endlosen Diskussionen verbrannt. Die ganze Energie, die bei solchen Veranstaltungen frei wird, könnte besser und wesentlich sinnvoller genutzt werden.

Menschen, die sich engagieren sind wichtig. Sie sind die Herzen der Communities, sind der Pulsschlag der Veränderung. Und was machen wir mit diesem Herzschlag, diesem Motor der Veränderung? Wir ersticken ihn, töten unser Streben nach Veränderungen, unsere Ziele werfen wir weg. Unsere Zeit ist unwiederbringlich verloren.

Warum tun wir uns das an? Wieso werden lernen wir nicht aus der Vergangenheit, aus anderen Treffen, von anderen Gruppen? Wir müssen zusammenhalten und stark sein. Unsere vorherigen Generationen haben uns gezeigt, was alles möglich ist. Wir leben in einer Zeit, in der alles Gute und Schlechte in greifbare Nähe gerückt ist. Zusammen könnten wir nach dem Guten greifen.