Eltern

16.
Sept
2004

Irgendwie hatte man sich das alles anders vorgestellt. Nicht, dass man sich dessen wirklich bewusst gewesen ist, aber schön hätte man es doch gefunden, wenn alles den ganz gewöhnlichen Weg gegangen wäre. Der Sohnemann wird flügge, bringt - wenn er sich dann und wann mal Zuhause sehen lässt - ein hübsches Mädel mit. Die Tochter zieht los, um den glücklichen Eltern einen Schwiegersohn vorzustellen. Bis zu den Enkelkindern hat es ja noch ein paar Jahre Zeit und ...

... und jetzt? Lesbisch ist sie! Schwul ist er! Sagen sie. So recht weiß man nicht, ob man es glauben soll. Von pubertären Phasen hat man ja schon viel gehört und er bzw. sie ist ja auch eigentlich noch ein bisschen zu jung, um genau zu wissen, was man nun eigentlich will.

Homosexuelle Jungs und Mädels outen sich heutzutage viel früher als noch vor einigen Jahren. Ein einfacher Weg ist es aber dennoch nicht. Es kommt nicht zuerst der Schritt, den Eltern und Freunden zu sagen, was Sache ist. Davor steht eine schier endlose Zeit der Selbstzweifel. Bin ich es wirklich? Darf man das überhaupt? Kann ich so überhaupt noch ein normales Leben führen?

Nur den wenigsten Jungs und Mädels ist es gegönnt, mit dem Thema nicht zu hadern sondern sich einfach mit ihren Gefühlen im Reinen zu wissen. Nur den wenigsten Eltern ist es möglich, auf die Tatsache, dass ihr Spross schwul oder lesbisch ist, mit einem Achselzucken zu reagieren. Vollkommen verständlich.

Wie können Sie nun einen Zugang zu diesem Thema finden? Wie können Sie die Flut von Informationen und Neuerungen verarbeiten, die über sie hereinbricht, wenn Ihr Kind Ihnen die Wahrheit „gebeichtet” hat?

- Machen Sie Sich bewusst, dass Ihr Sohn bzw. Ihre Tochter vermutlich lang mit sich gerungen hat, um diesen Schritt zu tun. Die meisten stellen zu Beginn ihrer Pubertät (also mit 12 - 13 Jahren) fest, dass sie anders empfinden als die breite Masse. Ein Coming-Out findet meist erst zwischen dem 16. und 19. Lebensjahr statt.

- Es gibt nicht „normal” und „nicht normal”, es gibt nur „sexuelle Präferenzen”. Ihr Kind ist mit seinem Empfinden alles andere als allein. Je größer die Stadt, in der Sie leben, desto mehr Anlaufpunkte für Seinesgleichen wird er oder sie finden. Unterstützen Sie Ihr Kind bei seinen / ihren ersten Schritten ins schwule bzw. lesbische Leben.

- Ein Coming-Out, der dadurch entstehende zusätzliche oder neue Freundeskreis, das Gefühl, von anderen akzeptiert zu werden verleiht Ihrem Kind neue Energie und ein positiveres Selbstwertgefühl. Zeigen Sie, dass Sie hinter ihm / ihr stehen.

- Informationen für Eltern, Freunde und Angehörigen von Homosexuellen gibt es bei BEFAH e.V. unter www.befah.de

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